Regionalliga-Debatte mit offenem Ausgang
Regionalliga-Reform: Warum Bayreuth auf das Kompassmodell setzt
Die SpVgg Bayreuth bezieht in der Reformdebatte um die Regionalliga klar Stellung: Der Klub unterstützt das Kompassmodell. Aus Sicht der Bayreuther Führung ginge es dabei nicht nur um eine neue Staffeleinteilung, sondern vor allem um eine Grundsatzfrage der sportlichen Fairness – und um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der vierthöchsten Spielklasse.
Seit Jahren prägt ein Widerspruch die Diskussion: In Deutschland gibt es derzeit fünf Regionalligen, am Saisonende stehen damit fünf Meister fest – aber nur vier Aufstiegsplätze zur 3. Liga. Genau dieser Konstruktionsfehler treibt die Debatte um eine Neuordnung immer wieder an. Eine schnelle Entscheidung ist dennoch nicht in Sicht.
Warum Bayreuth das Kompassmodell unterstützt
Im Hans-Walter-Wild-Stadion wird die Reformfrage als Thema verstanden, das unmittelbar auf die eigene Perspektive einzahlt: Was ist ein Meistertitel wert, wenn er nicht zwingend zum Aufstieg führt?
Geschäftsführer Lorenz Röthlingshöfer formuliert den zentralen Einwand gegen den Status quo offen: „Aktuell ist es so, dass man nicht unbedingt aufsteigen kann, obwohl man Meister wird. Das ist natürlich schade!“ Bayreuth verbindet mit einer Reform daher zunächst das Ziel, das sportliche Prinzip zu stärken: Wer eine Saison dominiert, soll nicht an einer nachgelagerten Hürde scheitern, die anderswo gar nicht existiert.
Das Kompassmodell würde die Zahl der Regionalligen von fünf auf vier reduzieren. Die Vereine würden dabei nicht dauerhaft nach Verbandsgrenzen zugeordnet, sondern jährlich nach den kürzesten Fahrtstrecken neu eingeteilt – laut dem Konzept mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Für Bayreuth ist das mehr als eine organisatorische Idee: Es wäre ein Eingriff in die Wettbewerbsbedingungen, der direkten Einfluss auf Reisekosten, Gegnerprofil und damit auf Einnahmen und sportliche Entwicklung hätte.
Röthlingshöfer sieht in einer anderen Gegnerstruktur auch wirtschaftliches Potenzial. Seine Erwartung: Spiele gegen traditionsreiche Klubs – er nennt Chemie Leipzig oder Erzgebirge Aue – könnten mehr Auswärtsfans nach Bayreuth bringen und damit zusätzliche Ticket-Einnahmen ermöglichen.
In einer Liga, in der Budgets oft eng kalkuliert sind, wären solche Effekte nicht nur „nice to have“, sondern ein Faktor, der Spielräume schaffen kann: für Kaderplanung, Infrastruktur und die Absicherung einer gesamten Saison.
Teammanager Sebastian Lattermann argumentiert vor allem sportlich. Ein höheres, konstanteres Niveau schon in der Regionalliga könne den Übergang in die 3. Liga erleichtern. Sein Gedanke: „Vielleicht wird dieser Sprung dann etwas weniger schwer. Denn wenn man sich eine Saison lang in der Regionalliga mit Besseren misst, ist der Schrecken in der 3. Liga nach dem Aufstieg vielleicht nicht ganz so groß, wie wenn man sich mit vermeintlich Schwächeren misst“, sagt Lattermann.
Welche Alternativen weiter auf dem Tisch liegen
Trotz der klaren Bayreuther Präferenz ist die Reformfrage offen. Als Alternative wird weiterhin das Regionenmodell diskutiert. Dabei würden Bayern, Nord und Nordost in zwei neue Staffeln zusammengeführt, während Südwest und West bestehen blieben.
Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bremst allerdings Erwartungen, dass sich die Debatte kurzfristig auf eine der bekannten Varianten zuspitzt. Präsident Christoph Kern sagte nach einem Treffen bayerischer Klubs: „Wir sind uns einig, dass es einen breiteren Blick braucht.“ Der BFV will weitere Lösungsmöglichkeiten prüfen und die Diskussion nicht auf zwei Vorschläge verengen. Zugleich stellte der Verband klar, dass er sich einer Lösung mit dem Ziel „Der Meister muss aufsteigen“ nicht verschließe.
Aus Sicht der bayerischen Seite spielt dabei auch eine Rolle, wie Reformen über die Regionalliga hinaus wirken. In der laufenden Diskussion wurde kritisiert, dass die bisher in Arbeitsgruppen skizzierten Ideen die dritte und fünfte Spielklassenebene bislang nicht ausreichend mitdenken. Eine Reform, die den Aufstieg neu ordnet, greift zwangsläufig auch in Abstiegsfragen, Terminlogik und die Planungssicherheit der Klubs ein – und damit in die gesamte Pyramide.
In diesem Zusammenhang brachten bayerische Vertreter ein weiteres Modell in die Debatte ein: Nach einer Vorrunde in allen fünf Ligen könnte eine Teilung erfolgen. Die oberen Klubs würden in vier Ligen ihre Meister und Aufsteiger ausspielen; die Teams aus der unteren Tabellenhälfte blieben in regionalen Strukturen und würden dort Abstiegsrunden bestreiten. Dieses Konzept soll im BFV nun in einer eigenen Arbeitsgruppe weiter erörtert werden.
Unterm Strich deutet vieles darauf hin, dass es sich weniger um eine kurzfristige Neuordnung als um einen längeren Aushandlungsprozess handelt. Eine Umsetzung wäre frühestens zur Saison 2028/29 möglich.
Sportlich verschafft sich Bayreuth Luft
Während auf Verbandsebene um Modelle, Staffeln und Aufstiegswege gerungen wird, muss Bayreuth im Tagesgeschäft vor allem die aktuelle Saison stabilisieren. In der Regionalliga gelang der SpVgg ein sportlich wichtiges Signal: Gegen die DJK Vilzing gewann Bayreuth 3:0.
Der Erfolg vergrößerte den Abstand auf die Abstiegsplätze und verschaffte dem Team damit etwas Luft im Kampf um den Klassenerhalt. Genau diese Parallelität prägt die Lage in Bayreuth: Der Klub diskutiert über strukturelle Fairness und langfristige Perspektiven – und sammelt zugleich die Punkte, die im Hier und Jetzt entscheidend sind.
Bayreuth hat seine Position zum Kompassmodell klar formuliert. Ob daraus eine mehrheitsfähige Lösung wird, ist jedoch offen. Sicher ist vorerst nur: Die Reformdebatte wird weitergehen – und sie wird Zeit brauchen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.br.de/nachrichten/sport/leipzig-statt-vilzing-spvgg-bayreuth-befuerwortet-kompassmodell,VH7qtJq, Lasse Berger, Sat, 02 May 2026 09:18:35 GMT
- https://www.bayreuth-tourismus.de/hans-walter-wild-stadion/

