Lügen über meine Mutter: Eindringliches Kino im Neuneinhalb Bayreuth

Event: Kino ist Programm: Lügen über meine Mutter in Kunst- und Kulturhaus Neuneinhalb, Gerberplatz 1, 95445 Bayreuth on 14. November 2026

Datum und Uhrzeit

14. November 2026 16:30 Uhr

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Wenn ein Körper zum Familienproblem erklärt wird

Im Kunst- und Kulturhaus Neuneinhalb zeigt die Reihe Kino ist Programm den eindringlichen deutschen Spielfilm Lügen über meine Mutter. Aron Lehmanns Verfilmung nach dem autobiografisch geprägten Roman von Daniela Dröscher erzählt vom Kampf einer Frau um Würde, Selbstbestimmung und die Hoheit über den eigenen Körper.

Eine Familie unter dem Druck des Schweigens

In der westdeutschen Provinz der 1980er-Jahre kreist der Alltag von Cornelia um ein einziges Thema: ihr Körpergewicht. Ihr Ehemann Werner macht ihre vermeintliche Fülle für berufliche Rückschläge, fehlende Anerkennung und den ausbleibenden sozialen Aufstieg verantwortlich. Aus familiären Spannungen entsteht ein bedrückendes Machtspiel, in dem Abwertung und Kontrolle zunehmend den Ton angeben.

Die Perspektive des Kindes

Die Tochter Ela beobachtet die Ehe ihrer Eltern aus nächster Nähe. Ihre kindliche Sicht verleiht dem Drama eine besondere dramaturgische Spannung: Was für Ela zunächst wie ein gewöhnlicher Familienkonflikt erscheint, erweist sich nach und nach als System aus Bodyshaming, patriarchaler Gewalt und emotionaler Manipulation. Die Inszenierung verbindet die unmittelbare Wahrnehmung des Kindes mit einer späteren, kritischeren Einordnung.

Rosalie Thomass zwischen Verletzlichkeit und Stärke

Rosalie Thomass verkörpert Cornelia mit großer Empathie und einer fein abgestuften Schauspielkunst. Golo Euler zeichnet Werner als unangenehm überzeugenden Mann, der sein eigenes Scheitern auf den Körper seiner Frau projiziert. Elise Lindner gibt der Tochter Ela eine wache Präsenz, durch die das Publikum die familiären Brüche besonders unmittelbar erlebt.

Zwischen Sozialdrama und leisen märchenhaften Momenten

Aron Lehmann inszeniert den Stoff nicht als rein düsteres Sozialdrama. Kindliche Kommentare, wechselnde Tonlagen und visuelle Kontraste öffnen den Film für leise poetische Momente. Die Bildgestaltung von Cristian Pirjol und die Montage von Ana de Mier y Ortuño begleiten Cornelias Weg zwischen Anpassung, Erschöpfung und wachsender Selbstermächtigung.

Die Verfilmung greift zentrale Themen des Romans auf: weibliche Autonomie, Schönheitsnormen, familiäre Machtstrukturen und die zerstörerischen Folgen von Bodyshaming. Kritische Stimmen würdigen besonders die Nähe zur kindlichen Erzählperspektive und das nuancierte Spiel der Darstellerinnen und Darsteller.

Fazit: Ein bewegendes Kinoerlebnis mit gesellschaftlicher Sprengkraft

Lügen über meine Mutter verspricht ein intensives Bühnenerlebnis im übertragenen Sinn: eine konzentrierte Theateratmosphäre im Kinosaal, starke Figuren und eine Geschichte, die noch lange nach dem Abspann nachhallt. Wer sich für anspruchsvolles deutsches Kino, Literaturverfilmungen und gesellschaftlich relevante Filmkunst interessiert, erlebt in Bayreuth ein berührendes Drama über Würde, Emanzipation und den Mut zur Selbstbestimmung.

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Quellen:

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